Warum „Nike“ die wohl wichtigste, beste und genialste Werbekampagne aller Zeiten fährt.

(Keine Angst, keine Werbung und keine Anzeigen)

„Ich stehe nicht auf, um Stolz auf eine Flagge für ein Land zu zeigen, das schwarze und farbige Menschen unterdrückt“,

sagte Colin Kaepernick.

Aber fangen wir ganz von vorn an und beleuchten die Ereignisse. Colin Kaepernick ist ehemaliger Quarterback der San Francisco 49ers und Werbebotschafter in der Kampagne von Nike. Kaepernick geriet in die Kritik als er sich, bei einem Spiel der San Francisco 49ers, nicht zur Nationalhymne erhob und Nationalstolz bewies. Auf die Frage warum, sagte er: „Ich stehe nicht auf, um Stolz auf eine Flagge für ein Land zu zeigen, das schwarze und farbige Menschen unterdrückt“. Der Grund dafür: Einige Wochen zuvor wurden mehrere Afroamerikaner von US-Cops erschossen und die „Black-Lifes-Matter“ Demonstrationen zogen ihre Kreise. (Hier gibt es ein Video und ein zweites Video zu den Ereignissen.)

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Dass die Gewalt gegen Schwarze ein unglaubliches Problem in den USA darstellt, ist nicht erst seit Neuestem bekannt. Die renommierte Zeitung „The Guardian“ hat dazu eine Website mit recherchierten Vorfällen und Statistiken veröffentlicht.

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Das ist somit die Ausgangslage und Kaepernick löste die „Take-a-Knee“ – Bewegung aus. Viele US-Sportler taten es ihm gleich und knieten zur US-Hymne ab. Dies führte zu landesweiten Diskussionen und auch Obermufti Trump kritisierte die Aktion als unpatriotisch. Kaepernick spaltete und spaltet immer noch die Nation. Für die einen sind seine Worte Gift und ein Angriff auf das patriotische, freie Amerika. Denn der durchschnittliche US-Amerikaner ist Patriot und möchte am Wochenende fünf Dinge: seine Ruhe, seine Couch, seinen Fernseher, sein Bier und seinen Volkssport Football. Er möchte nicht mit Politik am heiligen Football Sonntag belastet werden. Daran ist nichts verwerflich, da der Sport die Nation dominiert und jeder ein Ventil zum Alltagsausgleich braucht. Nur leider verschiebt es die eigentliche Diskussion, in der theoretisch niemand in seinem Nationalstolz verletzt werden sollte. Kaepernick nutze seine Möglichkeiten und seine Plattform, die ihm zur Verfügung stand. Seine Aussage und seine Aktion spiegelt eigentlich den Willen für ein besseres Amerika mit weniger Gewalt wieder. Das könnte man ebenfalls als patriotisch auslegen. Für viele Menschen, unterschiedlichster Herkunft und Hautfarbe wurde Kaepernick jedoch zum gefeierten Helden. Ein Typ, der die Eier hat, seinen Mann zu stehen und für ein besseres Amerika zu kämpfen!

Dies wurde überschattet von Obermufti Trump. Er forderte die Entlassung aller Sportler, die sich nicht zur Hymne erheben. Dafür hagelte es Beifall von seinen Anhängern. Doch nicht nur die Republikaner und der durchschnittliche US-Footballfan fühlte sich in seinem Stolz beleidigt, sondern auch die Polizei. Die National Association of Police Organizations mit rund 210.000 Mitgliedern fühlte sich diskriminiert, da die Cops nicht als Rassisten angesehen werden wollten. Auch während der aktuellen Kampagne von Nike riefen die Vorstände dazu auf, Nike Produkte zu boykottieren.

Kaepernick musste die San Francisco 49ers verlassen und hat bis heute keinen neuen Verein gefunden. Die Chancen auf ein neues Team stehen gleich null. Er wird vermutlich nie wieder Profi-Football spielen und somit nie wieder seinen Traum leben können.

Er hat das getan, was der Slogan aussagt. Er hat alles geopfert, weil er an ein besseres Amerika geglaubt und sich dafür eingesetzt hat.

„Believe in SOMETHING, even if it means SACRIFICING EVERYTHING“

Auch am vergangenen Wochenende zeigte sich wieder, dass das eigentliche Problem noch nicht gelöst ist und sich seit zwei Jahren hinzieht. Beim Spiel der Miami Dolphins knieten Kenny Stills (links) und Albert Wilson (rechts) ab und alles geht von vorn los. Obwohl am vermeintlichen Sündenbock Kaepernick ein Exempel statuiert wurde und er doch gar nicht mehr in der Liga aktiv ist. Über allem steht die Missachtung der Flagge.

Kenny Stills (links) und Albert Wilson (rechts) Quelle: https://people.com/sports/take-a-knee-protests-start-2018-season-miami-dolphins-nfl/

 

Kommen wir zu Nike.

Nike weiß, wie man mit coolen Videos punktet. Das ist bekannt. (Auch hier ein Video und ein zweites Video.) Aber Colin Kaepernick als Gesicht einer Kampagne zu benutzen, ist ein gewagter Schritt, da man ja weiß, für was er sich einsetzt und für was er steht. Nike bietet somit ihren Konsumenten nicht nur Kleidung sondern vermittelt Werte! Nike ist die erste Marke sich klar zu einem politischen Thema äußert und solidarisiert. Mit Veröffentlichung des Bildes von Kaepernick entbrannte ein Shitstorm. Es wurden Schuhe verbrannt, Aktien verkauft und zu einem landesweiten Boykott der Marke aufgerufen. Nike verzeichnete massive Börsenverluste (die sich mittlerweile wieder erholen) und das Internet drehte durch. Auch einige Memes und Statements anderer Sportler ließen nicht lange auf sich warten. Solidarisierung auf höchstem Niveau.

Allerdings denken die Verantwortlichen auch an die Wirkung und die Konsequenzen dieser Kampagne. Nike fährt einen schmalen aber genialen Weg.  Auf der einen Seite, der Anti-Held, Donald Trump und auf der anderen Seite Colin Kaepernick und Nike. Die für etwas gutes einstehen und eine Botschaft senden. Das ist Storytelling und Vermittlung auf oberster Ebene. In dieser Gesellschaft. Einer Gesellschaft voller Lifestyle-Parallelwelten und den dementsprechenden Werbebotschaften schafft Nike die Vermittlung von Moral. Die Marke solidarisiert sich mit einem Spitzensportler, der arbeitslos ist und nie wieder Profi-Football spielen wird.

Als Antwort  auf den Shitstorm veröffentlichte Nike dieses großartige Video:

Ein Video, was diese moralische Botschaft unterstreicht und erneut Werte vermittelt. Eine Botschaft, die so viel Kraft, Energie und Mut mit sich bringt. Egal, aus welcher Bevölkerungsschicht man stammt oder welche Hautfarbe man hat. Und darum sollte es doch letztendlich gehen, darum hat Colin Kaepernick die „Take-a-Knee“ Bewegung ins Leben gerufen. Es ist nämlich egal, woher man kommt oder wie man aussieht, was zählt, sind die inneren Werte. Dass man bereit ist, alles für seine Träume zu geben und letztendlich zu opfern. Es ist egal, ob man nur einen Arm hat. Es ist egal, ob man als Frau in einem Männersport spielt. Es ist egal, ob man aus Compton bzw. dem Ghetto stammt. Und es ist egal, ob man als Flüchtling in der Nationalmannschaft Fußball spielt. Wenn es dein Traum ist, dann mach es!

Warum ist diese Werbekampagne von Nike so wichtig?  

In einem Amerika der Konzerne und Unternehmen, ist Nike die erste Marke die Haltung beweist. Nike setzt sich mit einem gesellschaftskritischen Thema auseinander und bezieht Position. Die Position der Gleichberechtigung. Die Globalisierung bestimmt die Welt, Lobbyismus ist Alltag und Unternehmer werden zunehmend mächtiger. Nike nutzt diese Macht, diese Plattform, um eine Botschaft in die Welt zu senden. Nike macht den Menschen Mut. Mithilfe von Sportlern, die sich für etwas einsetzten und aus den unterschiedlichsten Schichten stammen. (Wie man oben im Video erkennt.) Dies ist ungemein wichtig, da es vielleicht andere Konzerne und Unternehmen anspornt, sich ebenfalls mit gesellschaftlich relevanten Themen zu beschäftigen.

Man stelle sich mal vor, wenn Facebook aktiv gegen Hasskommentare und Fake-Profile vorgehen würde. Wenn Apple und Microsoft jedem Menschen Zugang zur Digitalisierung ermöglichen würde. Wenn Starbucks Menschen auf Kaffeeplantagen fördert, statt ausnutzt. Diese Macht und diese Position könnten sie einnehmen aber es passiert leider nicht. Es wird wohl auch Wunschdenken bleiben.

Are my dreams crazy enough?

(Hand aufs Herz: Da ich diesen Slogan auf so ziemlich alle meine Lebensziele beziehe und schon vorher bezogen habe, bin ich Fan von dieser Aktion. Wenn man an etwas glaubt, kann man alles schaffen. Mir ist egal, ob die Welt jetzt Nike Produkte kaufen sollte oder kauft. Ich finde es nur unglaublich stark, dass Nike Position bezieht und mit einem guten Beispiel voran geht. Geht raus und tut was Ihr liebt aber vergesst niemals Euch für etwas einzusetzen.)

 

Christopher D. Schulz