“Wir wollen mit unserer Musik etwas transportieren! Wenn es jemanden gibt, der sich damit identifizieren kann und das gleiche empfindet, ist das ein wundervolles Gefühl. ”

Die Muskeln in der Armpartie brennen und Schweißperlen rinnen von der Stirn. Der letzte Song neigt sich dem Ende und die Sprechchöre werden lauter. Mark steht auf seinem Hocker, Sitzen am Schlagzeug ist angesichts der elektrisierenden Stimmung unmöglich. Seine Band BASII spielt auf dem Campusfestival Mittweida, vor Kommilitonen, Professoren und Freunden. “Hoffentlich haben wir abgeliefert und das Publikum ist glücklich”, denkt er sich.

Credits: Marco Franzese

Mark ist Medienmanagementstudent an der Hochschule Mittweida. Seine Leidenschaft gilt der Musik. Zum Schlagzeug kam er vor ungefähr sieben bis acht Jahren und seitdem stellen die Sticks seine verlängerten Arme dar. Autodidaktisch war die Devise. “Mit Youtube-Tutorials und mit Hilfe von Freunden habe ich mir die Grundtechniken selbst angeeignet. Später wollte ich mich professioneller weiterbilden und nahm noch drei Jahre Unterricht. Viel Arbeit, viel Fleiß und viel Mühe, aber das war es wert”, erklärte er.

Hände schlagen zusammen und die Gesichter des Publikums sind mit Freude erfüllt. Basti, Clovis, Konsti und Mark stehen Arm in Arm auf der Bühne. Die Verbeugung vor dem Publikum ist fester Bestandteil des Programms. “Es war ein langer Weg, aber wir konnten zeigen, was wir auf dem Kasten haben und unsere Songs gebührend präsentieren”, sagt er freudestrahlend.

BASII besteht aus vier jungen Musikern, die ursprünglich aus Stuttgart kommen. Basti, der Frontsänger und erster Gitarrist der Band, ging mit Mark bereits auf das Gymnasium. Beide kennen sich seit der 9. Klasse. Was sie verband, war der Traum Musik zu machen und auf den großen Bühnen zu stehen. Das schweißte sie zusammen. “Als ich Bastis Texte gelesen habe, war klar, dass wir zusammen Musik machen. Nach einigen Enttäuschungen in anderen Projekten war das die Bestätigung.” In seiner Stimme erklingt das Selbstvertrauen.

BASII beim Cmapusfestival Mittweida

Anfangs spielte Mark in diversen Metal-Bands, aber etwas anderes stand bei BASII im Vordergrund. “Ich wollte mich einem anderen Genre zuwenden, die Pop/Rock-Richtung einschlagen und mich letztendlich als Musiker weiterentwickeln. Musik ist ein fester Bestandteil in meinem Leben. Es stand von Anfang an fest, dass wir mit BASII gezielt auf etwas hinarbeiten. Wir wollen mit unserer Musik etwas transportieren. Wenn es jemanden gibt, der sich damit identifizieren kann, ist das ein wundervolles Gefühl”, betont er energisch.

Das Publikum verlangt nach einer Zugabe. Wohl doch nicht der letzte Song des Abends. Mit “Alles Geht Von Selbst” werden die Zuschauer in die Nacht entlassen. Sich treiben lassen und neben seinem Fleiß etwas auf sein Glück vertrauen. Denn so sollte es im Leben laufen.
Für die Jungs ist der Tag allerdings noch nicht vorbei, sie müssen sich noch um den Abbau kümmern. Das Equipment sollte noch eingepackt und verladen werden. “Die zwei Autos sind generell voll bis unters Dach, aber das gehört eben dazu”, meinte er. Allerdings gehört auch noch mehr dazu. Auch Bookinganfragen, Social Media, Kostenplanungen, IT-Aufgaben, wie z.B. den Bau der Webseite, spielen eine wichtige Rolle.

“Es bedarf viel, um das Projekt am Laufen zu halten – von nichts kommt nichts. BASII hat keine geregelten Zeiten, aber welches Hobby hat das schon? Somit ist die Band ein 24-Stunden-Job. Jede Leidenschaft ist zeitintensiv und verlangt einem einiges ab. Sei es der leidenschaftliche Auto -Tüftler, der am Wochenende nur in der Garage steht oder der Briefmarkensammler. Wenn man für etwas brennt, tut man alles dafür, dass es gut wird und man nimmt ein gewisses Risiko auf sich“, erklärt er und fährt fort.
“Egal ob es sich um Booking, Logistik oder Merchandise Aufgaben handelt oder das Risiko zu scheitern. Außerdem besteht auch ein wirtschaftliches Risiko. Die Organisation und die Benzinkosten fressen viel Budget. Am Ende soll, wenn möglich, plus minus null unterm Strich stehen.”
Als Ausgleich greift Mark gern mal zum Controller. “Videospiele sind eine Kunstform, in deren Geschichten man sich verlieren und man selbst abschalten kann. Und ganz wichtig ist der Rückhalt von Freunden, dort kann man sich am besten fallen lassen, entspannen und Kraft tanken”, verrät er.

Während Basti eine Effektpedale vom Strom trennt, werden die letzten Becken von den Ständern geschraubt. Konsti verstaut sein Keyboard und Clovis’ packt seine Gitarre in den dafür vorgesehenen Koffer. Auf der Bühne hört man noch das Gemurmel des Publikums. Nur ein Vorhang unterbricht den Sichtkontakt. Am Ende kommen die Jungs, Backstage, noch einmal zusammen und gestalten das Fazit. Was sichtlich schwierig ist, weil das Adrenalin noch nicht verflogen ist. “Es war absolut überragend, aber daran müssen wir anknüpfen. Die Sachen, die gut liefen, werden verfeinert und ausgebaut.” Die Worte sind nüchtern und sachlich gewählt.

Der letzte Gang Richtung Auto steht bevor. “Morgen können wir im Proberaum daran arbeiten und ausführlich den Auftritt auswerten.” Der letzte Koffer ist verstaut, der Blick durch den Rückspiegel beinahe unmöglich. Jedoch ist die Fahrtrichtung klar, für seine Leidenschaft beziehungsweise seine Ziele weiterzuarbeiten und zu kämpfen. Die Türen der Autos fallen ins Schloss, der Motor startet. Bis letztendlich die Rücklichter schwächer werden und irgendwann am Horizont verschwinden.

Christopher D. Schulz